Die Maurin (Lea Korte)
Zahras Leben ist nicht gerade das typische eines maurischen Mädchens.
Da ihre Familie gute Kontakte zum maurischen Königshof hat, darf sie als Hofdame Aischa, der Hauptfrau des Emirs dienen.
Diese hat sich vor langer Zeit den Zorn ihres Mannes zugezogen und steht daher unter Hausarrest. Daher ist es die unauffällige, junge Zahra, die für ihre Herrin spionieren geht.
Die Zeiten sind schwer in Andalusien – Emir Hassan hat sich mit den Kastiliern angelegt, denen das maurische Reich seit langem Tribut schuldet. Und er hat sich damit übernommen, denn die Kastilier sind zahlreicher und besser gerüstet als die unschlüssigen Mauren.
Die Berater des Emirs haben sich in zwei Lager gespalten, jedes von einem Bruder Zahras angeführt, diejenigen, die die Kastilier endgültig aus Spanien vertreiben wollen und jene, die sich den Frieden zwischen allen Beteiligten wünschen.
Zahras Vater steht auf Seiten der friedlichen Lösung, doch auch er kann den Kleinkrieg in seinem eigenen Hause nicht lösen. Sein ältester Sohn Yazid hetzt gegen die Christen, wo er nur kann und beschimpft seinen friedliebenden Halbbruder Raschid als Feigling und Christenkind. Die Tatsache, dass die Mutter von Raschid und Zahra selbst eine Kastilierin ist (eine ehemalige Sklavin, die zum Islam konvertiert ist und Zahras Vater aus Liebe heiratete), gibt Yazid nur noch mehr Gründe, seine Geschwister nicht zu mögen.
Das Leben des jungen Mädchens findet in einem permanenten Zwiespalt statt, denn sie steht hinter Raschid und auch hinter ihrem Vater, aber sie hat große Probleme damit, sich in die Welt einzufügen, in die sie hineingeboren wurde. Sie hat ihren ganz eigenen Kopf, der sie häufig in Schwierigkeiten bringt und für ihre Zeit und ihre Erziehung ein sehr großes Freiheitsbedürfnis.
So führt sie ihr Leben dann auch nicht auf die ausgetretenen Pfade ihrer Vorfahren, sondern in ganz andere Richtungen. Sie dient Aischa als Botin um deren Sohn zurück nach Granada zu holen und einen Umsturz in die Wege zu leiten. Sie flieht bei dieser Gelegenheit nur zu gern vor der arrangierten Ehe, die ihr Vater für sie anstrebt.
Auch hilft sie ihrer Schwester den christlichen Sklaven der Nachbarn zu befreien, in den diese sich verliebt hat. Schließlich gipfelt diese Liebe auch in der Flucht der Schwester, gemeinsam mit diesem Mann, was allerdings noch einige Zeit dauert.
Auch Zahra hegt, wie ihre Schwester, keinerlei Gefühle für den Mann, der sie heiraten soll, sondern hat sich schon als Kind in einen kastilischen Boten verliebt. Diese Gefühle für Gonzalo sind für sie nur schwer zu verstehen. Mehr als nur einmal rettet sie Gonzalo das Leben und widersetzt sich damit nicht nur dem Gesetz ihres Vaters, sondern auch den Gesetzen ihres Volkes. Doch im Gegensatz zu ihrer Schwester sieht sie keine gemeinsame Zukunft mit dem Mann ihrer Träume.
Bis sie schließlich an den kastilischen Hof geschickt wird. Aischas Sohn ist inzwischen selbst Emir von Granada und musste, um selbst der Gefangenschaft zu entkommen und einen Bürgerkrieg zu verhindern, seinen eigenen kleinen Sohn als Geisel an Königin Isabella und König Fernando ausliefern. Zahra soll als Kinderfrau mit ihm gehen, um ihm Schutz zu gewähren und zu verhindern, dass das Kind seine Wurzeln vergisst. Das bringt sie in gefährliche Nähe zu Gonzalo, der der kastilischen Königin sehr nahe steht und diese bereits mehrere Male durch seine maurenfreundliche Haltung verärgert hat.
Doch Zahra ahnt gar nicht, wie groß die Gefahr tatsächlich ist, in der sie schwebt …
Die Maurin fesselt. Das Buch braucht nicht lange, um in Gang zu kommen, sondern stürzt den Leser sofort mitten hinein in Geschehen.
Ich selbst habe mich bisher nie intensiv mit der Geschichte der Mauren in Spanien auseinander gesetzt, genauso wenig mit der Torquemadas und Isabellas, daher kann ich nicht genau sagen, wie gut das Buch recherchiert ist, aber auf mich wirkt es doch sehr klar und realistisch in seinen Darstellungen. Was man der Autorin in jeder Zeile anmerkt ist die Liebe zur Wahlheimat und vor allem der Alhambra.
Die Figuren sind stellenweise etwas stereotyp, das kann man sicherlich sagen, aber auf der anderen Seite haben mich viele der Handelnden immer wieder überrascht. Zahra selbst wirkt auf mich häufig etwas zu modern, aber das sei der Tatsache geschuldet, dass es sich um einen Roman handelt und das die Geschichte ansonsten doch eher langweilig geworden wäre, hätte sie sich nur in den Frauengemächern abgespielt. Und ich denke auch, dass es zu jeder Zeit Frauen gegeben hat, die aus den starren Regeln der Familie ausgebrochen sind. Egal welcher Religion und welchen Standes sie angehörten.
Was mich da eher gestört hat war die teilweise etwas sehr moderne Sprache. Als plötzlich ein Maure seinen Freund mit „altes Haus“ ansprach, war ich doch etwas irritiert. Aber das blieben den ganzen Roman über Ausnahmen, die man dann doch schnell überlesen hat.
Spaß macht das Buch, es hält über 600 Seiten gut die Spannung und man mag ab einem bestimmten Zeitpunkt gar nicht mehr aufhören zu lesen. Schön finde ich, dass die brutalen Seiten der Zeit zwar nicht ausgelassen wurden, aber auf eine unnötig ausführliche Darstellung von Schlachten und Greuel verzichtet wurde, genau wie (weitestgehend) auf Vergewaltigungen und ähnliches kein großer Wert gelegt wurde (was ansonsten im historischen Roman in den letzten Jahren ja scheinbar zum guten Ton geworden ist).
Mir hat die Maurin ausnehmend gut gefallen, sie hat mein Interesse an der Geschichte der Mauren in der Reconqista geweckt und das ist für mich das, was dein Reiz eines historischen Romanes ausmacht.
Fazit: grandios spannendes Buch über eine hochinteressante Zeit der Geschichte.
Zu Staub verbrannt
Aus Asche emporgestiegen
Zu neuem Leben
Ein ewiger Kreis
Der Unsterblichkeit